Die Niederrheinische Gesellschaft

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der Niederrheinischen Gesellschaft für Vor- und Frühgeschichtsforschung e.V.

Entdeckung einer mittelalterlichen Glockengießanlage aus dem 12. Jahrhundert auf dem “Alten Markt” in Duisburg

Vorwort:
Archäologie in Duisburg ist bemüht das Medium Film für Webinhalte zu nutzen. Dr. Günter Krause hat vorausschauend einen Film über die Modellierung einer Glockengussgrube auf dem "Alten Markt" in Duisburg" drehen lassen.

Lesen sie den nachfolgenden Text und schauen sich anschließend  den Film an.

Inhaltsverzeichnis:
Best
Die mittelalterliche Gießerei

BestFormstoffuntersuchung am Randstück einer Gießform aus Formlehm vom Alten Markt

BestVerwendungsmöglichkeit als Formstoff

BestKörnungsuntersuchung

BestZur Datierung der Glockengussgrube auf dem Alten Markt in Duisburg

BestFilm Glockengussanlage

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Die mittelalterliche Gießerei

von Günter Krause

Im Sommer 1982 kam nach Abtragen des Kieselpflasters der Schicht 5 in Fläche 1 eine große grubenartige bild1web_smallVerfärbung zutage. Sie ist etwa nordsüdlich orientiert, bis 2,20 m breit und misst in bild7glockenguss_smallder bisher ausgegrabenen Länge 3 m. Deutlich ließen sich in der Verfärbung  Brandreste erkennen, die z. T. mit gelbbraunem Lehm durchsetzt waren. Dazwischen lagen Brocken von gebranntem Lehm von brauner bis schwarzer Färbung, der stark organisch gemagert ist, bis hin zu Lehmbrocken, die auf einer Seite ganz verschlackt sind. Einige der dunklen gebrannten Lehmbrocken waren stark von Metallresten durchsetzt.bild2web_small

Beim langsamen Tiefergehen stieß man bald auf zahlreiche Bruch- und Tuffsteine unterschiedlicher Größe in Gemengelage, die alle im Feuer gelegen hatten (Abb. 1 und 2), dazwischen größere und kleinere Stücke von gebranntem Lehm, vereinzelte Knochen, Scherben und zahlreiche Reste von Lederschuhen, vor allem Schuhsohlen. Im nördlichen Teil ließ sich eine stark mit Brand durchsetzte humose Zone erkennen, gefolgt von einem äußeren Grubenbereich braunhumoser Erde. Beim weiteren Tiefergehen wurde das Steinmaterial seltener und die Erde humoser. Im Westteil der Grube kamen große gebrannte Lehmbrocken zutage, die deutlich eine glatte Oberfläche und eine Rundung zeigten (siehe Abb. 3).

War es schon vorher ziemlich klar, daß es sich bei den verschlackten Lehmbrocken um Reste von Schmelzöfen bild8glockenguss _small(Abb. 3) und bei den übrigen um Reste von Gussformen handelt, so ließen sich diese Stücke eindeutig als Teile des Kerns einer Glockenform ansprechen. Es lässt sich sogar aus diesen Stücken der ungefähre untere Durchmesser der Glocke mit 70 cm bestimmen. Die in einzelnen Lehmbrocken gefundenen Metallreste bestehen aus Bronze, die für den Guss verwendet worden war. Beim weiteren Tiefergehen in der Grube, die senkrechte Seitenwände hat, stieß man rund 1,40 m unter ihrem Rand auf weitere Formreste. Sie waren z. T. noch kreisförmig angeordnet und dürften Reste einer zerschlagenen Glockenform in situ sein. bild9glockenguss_small

Eine Durchsicht der gebrannten Lehmstücke, die größtenteils erst gehärtet werden mussten, um sie zu erhalten, ergab, daß es sich dabei um Reste eines oder mehrerer Schmelzöfen und bei den zahlreichen kleineren Stücken um Teile wohl einer Glockenform handelt. Die Wandungsteile der Schmelzöfen sind durch die starke Verschlackung auf der Innenseite deutlich zu erkennen. Erhalten ist auch ein sehr metallreiches Stück mit einer Düsenöffnung, die zum Abstechen des für den Guss benötigten flüssigen Metalles diente (siehe Abb. 4).

Auch das dem Feuer ausgesetzte Steinmaterial lässt sich eindeutig zuordnen. Es ist zum Aufmauern des bild3web_smallBrennofens für die Glockenform verwendet worden. Hierfür hat man wegen seiner Hitzebeständigkeit und Feuerfestigkeit gerne Tuff genommen. Der Ofen wurde wahrscheinlich in der Grube errichtet und bis zur Höhe der Form aufgemauert. Wie man sich das ganze vorzustellen hat, zeigt die Rekonstruktionszeichnung in (Abb. 5). Während des Brennens wurde der Ofen mehrmals mit Holzkohle aufgefüllt. Stand der Ofen wie gewöhnlich in einer Grube, zerbrach man anschließend die Ofenwände. Um die Form herum füllte man danach die Grube mit Sand auf, damit die Formwandung beim Guss von außen abgestützt wurde (1). Wie man eine Gussform für eine Glocke herstellt, beschreibt H. Drescher  (2): „ Nach Theophilus (einem Mönch, der um 1100 das bedeutendste Handbuch der Kunsttechniken des Mittelalters verfasste) stellte man den Kern, also das Stück der Form, das die am späteren Gussstück hohlbleibenden Teile aussparen sollte, so her, daß man den durchgekneteten Lehm zunächst zwei Finger dick auf einer hölzernen Spindel auftrug. War diese erste Lage getrocknet, brachte man die zweite und dann die folgenden Schichten auf, bis die gewünschte Dicke erreicht war. Anschließend wurde die Spindel mit dem daraufliegenden Kernrohling in eine einfache Drehvorrichtung gelegt und freihändig abgedreht. Dann wurde aus Wachs oder Talg die gewünschte Gestalt des Gussstückes aufgetragen, dessen Oberfläche man ebenfalls abdrehte. Im späten Mittelalter benutzte man, wie noch heute, zur Kern- und auch zur Modellherstellung Schablonen. Muster und Inschriften gräbt Theophilus in die Wandung des Modells ein. Imbild4web_small nächsten Arbeitsgang wurde der Formmantel aufgebracht, was wie bei der Kernherstellung in mehreren Schichten erfolgte. Vor dem Aufbringen der äußeren Lage legte man mit Zwischenräumen von einer Handbreite eiserne Reifen um den Mantel. Anschließend wurde aus dem Kern soviel herausgeschnitten, daß seine Wandung nicht stärker als ein Fuß war. Dann wurde die Form getrocknet und gebrannt. Etwa um Maschenweite dürfte man bei größeren Gussstücken davon abgegangen sein, die Form auf einer Spindel herzustellen. Jetzt wurde der Kern um eine fest im Boden stehende Achse gebaut, an der drehbare Schablonen mit den entsprechenden Profilen befestigt waren. Statt wie bisher ein vollständiges Wachs- oder Talgmodell zu verwenden, baute man nun auf den vorher mit Fett isolierten Kern ein Modell in Lehm auf. Die Oberfläche desselben bekam einen Talgüberzug, auf den die in besonderen Formen oder freihändig hergestellten Inschriften und Ornamente aus Wachs gesetzt wurden. Auf die Oberfläche dieses Lehm-Wachsmodells, das auch Falscheglocke, Lehmglocke oder Hemd genannt wurde, trug man dann mit Hilfe von Schablonen den Mantel auf. Die Form der zum Aufhängen der Glocke bestimmten Krone fertigte man in bild5web_smalleinem besonderen Arbeitsgang. Nach dem Trocknen und Brennen der Form hob man den Mantel ab, was vordem nicht notwendig aber möglich war, und zerschlug die Falscheglocke, deren Oberfläche jetzt als getreues Negativ im Formmantel erhalten war.

Bei manchen Glocken und Taufen wurden in diesem Zustand oftmals noch Inschriften und Ornamente in die Innenseite des Mantels geritzt. Anschließend setzte man die Form wieder zusammen und stampfte sie zum Guss in die Grube ein.

Wenn ein Gussstück aus dem Formlehm herausgelöst wird, bleiben erfahrungsgemäß kaum größere Teile der Form erhalten, und nur noch wenige Stücke lassen Einzelheiten erkennen.

Dies trifft sicher auch für die auf dem Alten Markt gegossene Glocke zu. Sie könnte für die nur gut 50 Meter entfernte Salvatorkirche bestimmt gewesen sein, da man gewöhnlich Kirchenglocken ganz in der Nähe von Kirchen oder in ihnen selbst gegossen hat. Nach der mitgefundenen Keramik muß die Gießerei ins 13. Jahrhundert gehören. Schriftliche Zeugnisse über einen Glockenguss aus dieser Zeit haben sich nicht erhalten.

Ein abschließendes Urteil über die Größe dieser Glockenwerkstatt und ihre Erzeugnisse wird man erst nach der vollständigen Ausgrabung sämtliche Reste der Gießerei fällen können.

zu den Bildern der mittelalterlichen Glockengussanlage

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Formstoffuntersuchung am Randstück einer Gießform aus Formlehm vom Alten Markt.

von Wilhelm Stahlhacke

Mehrere Stücke verbrannt aussehenden, mineralischen Materials aus der Schicht F1 in Fläche 1 der Ausgrabungsstelle Alter Markt, Duisburg, ließen nach Beschaffenheit und Form auf Bruchteile des Formen-Mantelrandes oder des Innenkernes einer Glockengussform schließen. Da eines dieser Stücke (Inv.-Nr. 82 31/19) grubenfeucht in Plastikfolie eingepackt worden war und bei der Lagerung so mürbe wurde, daß es zerfiel, schien es sinnvoll, die Verwendungsfähigkeit als Formstoff mit einfachen physikalischen Untersuchungen in einem Gießerei-Formstofflabor zu überprüfen.

Verwendungsmöglichkeit als Formstoff:
as Material wurde dreimal hintereinander durch ein Handsieb mit einer Maschenweite von 3 mm gerieben, um dadurch eine Homogenisierung zu erreichen. Dabei blieben nur wenig grobstückigeres, schlackenartig zusammengesintertes Material und Steinbruchstückchen (maximale Teilchengröße 10 mm) als Siebrückstand übrig.

Die Feuchtigkeit des durchgesiebten Materials lag bei 8,2 bis 8,5 %.

Die nach heute üblicher Methode gefertigten Probekörper für die Laboruntersuchung zur Bestimmung der Druckfestigkeit ergaben Werte in der Größenordnung von 10 bis 11 N/cm2 im ungetrockneten Zustand und von 40 bis 50 N/cm2 nach vollkommener Durchtrocknung bei 105 °C.

Die Werte für die Gasdurchlässigkeit der feuchten Probekörper lagen bei 7 bis 8 Maßeinheiten.

Daraus kann bereits geschlossen werden, daß es sich um ein schlämmstoffreiches und damit tonmineralreiches Material handelt, wie es auch heute noch gelegentlich in Gießereien als Formstoff für das Lehmform-Trockenguss-Verfahren eingesetzt werden könnte bei gleichzeitiger Verwendung eines feuerfesten Formstoffüberzuges (Schwärze bzw. Schlichte).

Körnungsuntersuchung:
Die Vorbetrachtung des zerriebenen und getrockneten Materials unter dem Binokular bei 16 -25facher Vergrößerung machte deutlich, daß ein großer Teil zu Kornkonglomeraten zusammengebacken und z. T. auch gesintert war. Deutlich war aber auch verkohltes organisches Material zu erkennen, vornehmlich in der Gestalt von kleinen Borstenstückchen.

Es war früher üblich, auch dem Formstoff für Glockengussformen als Ausbrennstoff zur Erzielung einer ausreichenden Gasdurchlässigkeit des feinen Formlehms z.B. auch Kalbshaare zuzusetzen.

Die Glühverlustbestimmung ergab einen Glühverlust von 3,6 %. Dieser Wert liegt für einen gebrauchten Lehmformstoff niedrig, was aber wohl damit begründet werden kann, daß die organischen Beimengungen durch die lange Lagerung im Boden chemisch umgesetzt worden sind.

Die Abtrennung des Schlämmstoffes (Teilchen kleiner als 0,02 mm) nach der heute üblichen Labormethode war schwierig, da ein großer Teil der Schlämmstoffsubstanz sehr fest an den Mineralkörnern haftet. Jedenfalls konnte nach einer etwas intensiveren Behandlungsmethode ein Schlämmstoffanteil von 33 % abgetrennt werden. Dieser Schlämmstoff hat immer noch eine ausgeprägte Bindefähigkeit und trocknete zu einer ziemlich festen Schale mit hoher Abriebfestigkeit aus.

Bei der laborüblichen Siebanalyse wurden folgende Kornanteile auf den einzelnen Siebstufen festgestellt:

Die Kornverteilung macht deutlich, daß ein sehr feinkörniger Stoff (z.B. Lehm) vorgelegen haben muß, der wahrscheinlich mit einem Sand einer mittleren Korn

größe um 0,25 mm gemagert worden ist.

Siebstufe

Kornabmessung

Kornanteil in [%]

1

größer als 2 mm

2

1,4 — 2,0 mm

 0,3 %

3

0,71 — 1,4 mm

6 — 8 %

4

0,5 — 0,71 mm

7 — 8 %

5

0,355 — 0,5 mm

15 —16 %

6

0,25 — 0,355 mm

17 —18 %

7

0,18 — 0,25 mm

12 —13 %

8

0,125 — 0,18 mm

7 — 8 %

9

0,09 — 0,125 mm

5 — 6 %

10

0,063 — 0,09 mm

6 %

11

0,02 — 0,063 mm

20 %

Siebstufe 2:
Einzelne kantengerundete bis eckige Quarzkörner, Konglomerate aus schlackigen Bestandteilen mit anhaftendem feinkörnigem Quarz, andere gerundete Mineralkörner, einzelne verkokte Bestandteile mit anhaftenden Mineralkörnern.

Siebstufen 3 u. 4:
Bestandteile wie auf 1, allerdings auch Feldspatkörner erkennbar.

Siebstufen 5 u. 6:
Quarzanteile von etwa 60 %, Rest: andere Mineralbestandteile.

Siebstufen 7 u. 8:
Quarzanteile von etwa 50 %, Rest: andere Mineralbestandteile.

Siebstufen 9 u. 10:
Wie Siebstufen 7 u. 8, allerdings mit höheren Anteil an verkokter organischer Substanz.

Siebstufen 11:
Wie Siebstufen 9 u. 10, mit höheren Quarzanteil von etwa 60 %.
 

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Zur Datierung der Glockengußgrube auf dem Alten Markt in Duisburg

von Günter Krause

Der Alte Markt liegt in einem verlandeten Rheinbett. Der Burgplatz darüber ist ein spornartiger Ausläufer der Niederterrasse, oberhalb des ehemaligen Prallhanges des Rheines, der hier ursprünglich ein Gefälle von 22 % hatte; das durch Erosion der Hangkante und bewusste Aufschüttung des Marktplatzes (Gerlach 1992, 70ff. mit Abb. 4) bedingt, heute noch 3 % ausmacht. Der Untergrund besteht hier neben anthropogenen Ablagerungen und Erosionsmaterial der Niederterrassenkante aus den schluffigen dauerfeuchten Verlandungssedimenten und Hochflutablagerungen des Rheines. Dieser hatte hier bis etwa 1. Jahrhundert n. Chr. sein Bett. Auch danach gehörte der Bereich zur Aue des mittelalterlichen Rheines, der bis ins 10. Jahrhundert seinen Hauptstrom im Bereich des heutigen Innenhafens vor den Mauern der mittelalterlichen Stadt hatte und das Gebiet des Alten Marktes regelmäßig überschwemmte. Nach einer weiteren Rheinverlagerung, die 1994 archäologisch in das Ende des 10. Jahrhunderts datiert werden konnte (Krause 1997, 101ff. Abb. 1-2, 105; ders. 1999, 109 ff. mit Abb. 1-5) gehörte der Alte Markt nicht mehr zum Hochflutraume des Rheins. Bis ins 14. Jahrhundert lag in unmittelbarer Nähe des Marktes noch ein Altarm des Rheines (heutiger Innenhafen), der als Hafen genutzt wurde, aber allmählich verlandete (Krause 1999 mit weiterer Lit.).

Im Sommer 1982 wurde bei den Ausgrabungen auf dem Alten Markt in Duisburg in der Grabungsfläche 1 nach Abtragung von Kieselpflastern des 13. Jahrhunderts der Umriss einer großen Grube entdeckt, die sich alsbald als der Arbeitsplatz eines Glockengießers herausstellen sollte (Krause 1983, 52ff. ; ders. 1992, 12 Abb. 8, IV, 13 u. 19f. Abb.14-15). Die Glockengussgrube liegt nur etwa  50 m von der Salvatorkirche entfernt. Diese erhebt sich  auf dem Burgplatz über dem Alten Markt neben dem Rathaus, das  heute den Platz der mittelalterlichen Königspfalz einnimmt (Krause 1992, 8 Abb. 5). Der heutige spätgotische Kirchenbau hatte mehrere Vorgänger, die bis ins 9. Jahrhundert zurückreichen (Binding 1969, 35 ff., 48 ff.).

Nach Abtragung des Kieselpflasters aus der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts (Schicht 5 der Marktstratigraphie wurde eine weitere weniger dichte und gleichmäßige Pflasterschüttung (Krause 1992, 20Abb. 15 oben, Schichtbereich 6) angetroffen. Darunter ließ sich der Kontur der Glockengussgrube deutlich erkennen. Sie reicht von etwa 25,70 NN bis 24, 10 NN und durchschneidet die Schichtenbereiche 8 -16 (Krause 1992, 14Abb. 9). Die Sohle der Grube, in die die Feuergasse eingetieft wurde, reicht in der östlichen Längshälfte  in die Füllung des spätkarolingischen Grabens am Fuße des ehemaligen Prallhanges, der aus Schicht 13 eingetieft wurde, in der westlichen erreicht sie die älteste Marktpflasterschicht 16 (Krause 1992, 12 Abb. 8 u. 14 Abb. 9, Schichten 13 (Graben) u. 16).

In der näheren Umgebung der Glockengussgrube fanden sich unter dem Pflaster der Schicht 6 die Spuren zahlreicher unterschiedlicher Pfostenlöcher, die auf eine Überdachung der Arbeitsgrube schließen lassen. Da aber überall auf der Marktfläche mit Marktständen zu rechnen ist, die ähnliche Spuren hinterlassen, lässt sich nicht ermitteln, welche der zahlreichen Pfostenspuren mit der Glockengussgrube in Verbindung stehen.

In der sicher nur kurzfristig offenen Glockengussgrube erhielten sich Abfälle des Marktbetriebs in beträchtlicher Anzahl, darunter solche aus Holz, Leder, Knochen und Keramik. Sie müssen in die noch offene Grube gelangt und zeitgleich mit dem Glockenguss sein oder aus den älteren von der Grube durchschnittenen Schichen stammen. Für eine genauere zeitliche Einordnung liefert neben der dichten Marktstratigraphie allein die in der Grube gefundene Keramik Anhaltspunkte.

Die Lage unter den Pflasterschichten 5 und 6, die sich noch in mehrere Unterphasen gliedern lassen und die das 13. Jahrhundert überspannen (Krause 1983, 60ff. mit Abb. 39-42; Krause 1993, 153 u. 159-163 Abb. 4-9), macht deutlich, dass die Glockengussgrube aus der Schicht 7 eingetieft wurde (Krause 1983, 65Abb. 43), die wie die nächst ältere durchschnittene Marktschicht 8 (Krause 1983, 66 Abb. 44) ins 12. Jahrhundert gehören.

Da aber notwendigerweise nicht alle Marktschichten erhalten sein müssen, ist immer wieder mit zwischenzeitlichen Abtragungen zu rechnen (Krause 1983, 39f.), die das Bild verunklären könnte. Weiter kommt natürlich in der Glockengussgrube älteres Material aus den zahlreichen von dieser durchschnittenen Schichten vor. Die Datierung der Grube muß sich deshalb nach der jüngsten darin gefundenen Keramik richten.

Schon eine grobe Durchsicht der Funde ergibt nach unserem Kenntnisstand, dass nichts in der Grube gefunden wurde, was jünger als das 12. Jahrhundert ist. Die recht sichere Datierung des Schichtbereichs 6 in die ersten Jahrzehnte des 13. Jahrhunderts (siehe oben) legt nahe, dass die folgende Schicht 7 in die 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts gehört. Im Folgenden sind die für die zeitliche Einordnung der Glockengussgrube herangezogenen

Funde noch einmal zusammengefasst:
1. Fundmaterial aus Schicht 6 des Alten Marktes, die die Grube überschneidet (Krause 1983, 65 Abb. 42). In die gleiche Zeit gehört Fundmaterial aus einem als Latrine genutzten Steinkeller vom Rande des Alten Marktes (zum Steinkeller Untermann 1992; zum Fundmaterial Krause 1993, 153, 159-162 Abb. 4-7).

2. a. Fundmaterial aus Schicht 7 des Alten Marktes, aus der die Glockengussgrube eintieft (Krause 1983, 65 Abb. 43; aus einer Grube in Schicht 7, Alter Markt Fläche 2, Krause 1988, 46, 47f. mit Abb. 7-8,). Fundmaterial aus der Glockengussgrube in Schicht 7 selbst in Auswahl, Kat.-Nrn 1- 13, Abb.

3. Fundmaterial aus Schicht 8 vom Alten Markt, direkt unter Schicht 7,  die von der Grube geschnitten wird (Krause 1983, 66Abb. 44).

Zusammenfassung:
as 12. Jahrhundert in Duisburg ist eine Zeit des Stadtausbaus. Die erste steinerne Stadtmauer wird errichtet, die Pfalz auf dem Burgplatz erneuert, der Johanniterorden errichtet in Duisburg seine erste Niederlassung auf deutschem Boden, eine neue Salvatorkirche entsteht und der bürgerliche Steinbau beginnt. Es ist anscheinend die Zeit einer wirtschaftlichen  Blüte und der Entwicklung eines städtischen Bürgertums (Milz 1990, Milz u. Kraume 1991; Untermann 1992; Krause 1997, Müller 1997; Krause 1999, 116 ff.).

Ob der Glockenguss auf dem Alten Markt in einem direkten Zusammenhang mit dem Bau der staufischen Salvatorkirche um die Mitte oder nach der Mitte des 12. Jahrhunderts steht, die 1187 zuerst erwähnt wird  (Binding 1969, 85 ff. ), bleibt ungewiss. Der Platz außerhalb der Kirche auf dem Alten Markt lässt eher vermuten, dass die staufische Kirche zur Zeit des Glockengusses bereits vollendet war. Sicher ist aber, dass die Glocke für die genannte Kirche bestimmt gewesen und in der 2. Hälfte bis gegen Ende des 12. Jahrhunderts entstanden ist. Eine genauere zeitliche Eingrenzung ihrer Entstehung erscheint zurzeit nicht möglich und könnte höchstens bei einer Gesamtbearbeitung der Marktstratigraphie erreicht werden, die noch aussteht.

Auswahl von Funden aus der Glockengussgrube:
1-4 aus dem obersten Bereich der Glockengussgrube, 5-8 aus dem oberen Hauptverfüllungshorizont mit Brennofenwandungs-, Gussform- und Schmelzofenresten, 11- 12 untere Grubenfüllung bis zur Feuergasse, 13 aus dem Bereich der Feuergasse.

Randstück eines drehscheibengefertigten Bechers, braungraue Irdenware. Inv. 85: 7/46, Abb. xx

Kleines Randstück eines drehscheibengefertigten Bechers, hellbraune Pingsdorfer Irdenware. Inv. 85:7/46, Abb. xx.

Bodenstück (Knetfuß) eines drehscheibengefertigten Bechers, dunkelbraune Irdenware, Inv. 85:7/44, Abb. xx

Randstück eines handgemachten Kochtopfes, schwarzgraue Irdenware. Inv. 85:7/44, Abb. xx

Tülle einer Kanne, dunkelbraune Pingsdorfer Ware mit schwarzbrauner Bemalung,  Inv. Nr. 85:7/79, Abb. xx.

Randstück eines handgemachten Kochtopfes, graubraune Irdenware. Inv. 85: 7/104, Abb. xx

Bodenstück (Knetfuß) eines drehscheibengefertigten Bechers, braune Irdenware, Inv. 85:7/86, Abb. xx

Randstück eines handgemachten Kochtopfes, schwarzgraue Irdenware. Inv. 85:7/91, Abb. xx

Randstück eines handgemachten Topfes, schwarzgraue Irdenware. Inv. 85:7/209, Abb. xx

Randstück eines handgemachten Topfes, schwarzgraue Irdenware. Inv. 85:7/209, Abb. xx

Wandungscherbe der Andenner Ware; Scherben hellocker mit orangefarbener Außenglasur. Inv. 85:7/209, ohne Abb.

Wandungscherbe mit Bemalung und Henkelansatz von einer Tüllenkanne, dunkle Pingsdorfer Ware mit schwarzbrauner Bemalung. Inv. 85:7/157, Abb. xx.

Randstück einer Tüllenkanne , hellbraune Pingsdorfer Ware. Inv. 86:3/130, Abb. xx. 

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Literaturverzeichnis
BestBinding 1968 Günther Binding, Binding, Elisabeth, Archäologischhistorische Untersuchungen zur Frühgeschichte Duisburgs. Duisburger Forschungen Beiheft 12. Duisburg 1969.

BestGerlach 1992 Renate Gerlach, Die Entwicklung der naturräumlichen Geographie rund um den Alten Markt. In: Krause 1992, 66-92.

BestKrause 1983 Archäologische Zeugnisse zum mittelalterlichen Duisburg mit einem Beitrag von W. Stahlhacke. In: Duisburg im Mittelalter. Begleitschrift zur gleichnamigen Ausstellung im Niederrheinischen Museum der Stadt Duisburg. Duisburg 1983, 23-77.

BestKrause 1988 Günter Krause, Keramikproduktion am Niederrhein. Zur Duisburger Abfolge vom 5. bis 14. Jahrhundert. In: Joachim Naumann (Hrsg.), Keramik vom Niederrhein. Die Irdenware der Düppen- und Pottbäcker zwischen Köln und Kleve. Köln 1988, 37-55.

BestKrause 1992 Günter Krause Stadtarchäologie in Duisburg. In Günter Krause (Hrsg.), Stadtarchäologie in Duisburg 1980-1990. Duisburger Forschungen Bd. 38. Duisburg, 1-65.

BestKrause 1993 Günter Krause, Some pottery groups of the 13th to 16th centuries from Duisburg, Lower Rhine. In: Hemmy Clevis u. Jan Thisjssen, (Hrsg.) Assembled Articles 1. Symposium on medieval and post-medieval ceramics Nijmegen 2 and 3 September 1993. Nijmegen, 153-169.

BestKrause 1997 Günter Krause, Archaeological evidence of medieval shipping from the Old Town of Duisburg, Lower Rhineland. In: Papers of the ‘Medieval Europe Brugge 1997’ Conference Vol. 8, 101-116.

BestKrause 1997a Günter Krause, Die Duisburger Stadtbefestigung von ihren Anfängen bis heute. In: Isenberg, G. u. Scholkmann, B. (Hrsg.), Die Befestigung der mittelalterlichen Stadt. Köln, Weimar, Wien, 249-262.

BestKrause 1999 Günter, Krause, Duisburg, Lower Rhineland, The harbour and the topography of the town from the merowinginan period to c. 1600. In: Jan Bill (Hrsg.), Maritime Topography and the Medieval Town. Publications of the National Museum. Studies in Archaeology and History vol. 4. Kopenhagen, 109-118.

BestMilz 1990 Joseph Milz, Die topographische Entwicklung Duisburgs bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts. In: Vergessene Zeiten. Mittelalter im Ruhrgebiet. Ausstellungskatalog Ruhrlandmuseum Essen 1990, Bd. 2, 34-38.

BestMüller 1997 Joachim Müller, Die Duisburger Stadtmauer des 12. Jahrhunderts. In: G. Isenberg, u. B. Scholkmann, (Hrsg.), Die Befestigung der mittelalterlichen Stadt. Köln, Weimar, Wien, 263-269.

BestUntermann 1992 Matthias Untermann, Das Steinhaus auf dem ehemaligen Grundstück Oberoederich 18 (jetzt Kaufhaus  C&A) in Duisburg. In: Krause 1992, 451-462.

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Archäologen erstellen ein Modell von einer mittelalterlichen Glockengussanlage

Der folgende Stream zeigt die Arbeitschritte, die notwendig sind um die Form der Glockengussgrube für die Nachwelt zu sichern.
Klicken Sie auf die Salvatorkirche in Duisburg am "Alten Markt" und der Film startet.

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